WAS GILT - SCHWEIZER ODER DEUTSCHES ERBRECHT?


Es kommt auf den letzten gewöhnlichen Aufenthalt/Wohnsitz an

Verstirbt ein Erblasser in Deutschland und hinterlässt Immobilien oder Bankkonten in der Schweiz oder verstirbt ein Deutscher nach dem Wegzug in die Schweiz, so stellt sich die Frage, welches nationale Erbrecht gilt – Schweizer oder deutsches Erbrecht?

 

Die Antwort, welches nationale Erbrecht gilt, entscheidet darüber, in welchem Land der Erbschein beantragt wird, ob ein deutsches oder ein Schweizer Gericht zuständig ist, nach welchem nationalen Recht ein Testament auszulegen ist, wie stark die Rechte von Erben, Pflichtteilsberechtigten und Vermächtnisnehmern sind. 

 

Im deutschen Recht gilt das Aufenthaltsprinzip: Für einem deutschen Staatsbürger richtet sich die gesamte Rechtsnachfolge von Todes wegen nach dem Recht des Staates, in dem er zum Zeitpunkt des Todes seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Verlegt er seinen gewöhnlichen Aufenthalt nach St. Moritz, gilt Schweizer Erbrecht. Stirbt er mit letztem gewöhnlichen Aufenthalt auf Mallorca, gilt spanisches Erbrecht. Auf die deutsche Staatsangehörigkeit des Erblassers kommt es seit 2015 nicht mehr an. Verstirbt ein Deutscher mit gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland und hinterlässt Vermögen in der Schweiz, gilt deutsches Erbrecht.

 

In der Schweiz gilt das Wohnsitzprinzip: Es gilt das Erbrecht des Landes, in dem der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes seinen Wohnsitz hatte. Übersiedelt ein Deutscher also in die Schweiz und nimmt dort seinen Wohnsitz, gilt Schweizer Erbrecht. Es kommt nicht darauf an, ob er auch die Schweizer Staatsbürgerschaft erlangt hat.

 

Man kann auch selbst bestimmen, welches Recht gelten soll

Sowohl nach dem Schweizer Recht, als auch nach dem deutschen Recht besteht die Möglichkeit, dass man das anwendbare nationale Erbrecht selbst wählt. Wandert ein Deutscher in die Schweiz aus, kann er durch letztwillige Verfügung (Erbvertrag oder Testament) regeln, dass trotzdem sein Heimatrecht, also deutsches Erbrecht gelten soll, wenn er in der Schweiz verstirbt. (Diese Rechtswahl wird ungültig, wenn nachträglich die Schweizer Staatsbürgerschaft angenommen wird, dann gilt Schweizer Erbrecht.)

 

Diese Rechtswahl ist besonders dann zu empfehlen, wenn der Erblasser nur Erben in Deutschland hinterlässt. Dann wird der Nachlass nach den deutschen Regeln auseinandergesetzt, und den Erben bleibt eine mühsame Korrespondenz mit Behörden und Gerichten in der Schweiz erspart.

 

In manchen Fällen ist es aber gerade so, dass mit dem Wegzug in die Schweiz ganz bewusst das deutsche Erbrecht auch nicht mehr zum Zug kommen soll. So z.B. wenn sich der Erblasser nach einer Scheidung oder dem Tod des Ehegatten persönlich neu orientieren und die Brücken nach Deutschland zu potentiellen Erben „abreißen“ will. Dann müssen die Erben von Deutschland aus ihre Rechte mühsam in der Schweiz nach dem dortigen Recht erstreiten.

 

Die Wahl des Erbrechts, eine strategische Entscheidung

Die Wahl des Erbrechts ist also eine strategische Entscheidung, mit der man seinen Geliebten wertvolle Vorteile sichern, missliebigen Erben aber viel Ärger bereiten kann.

 

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