Abnahme der Maschine – Abnahmeverweigerung

Der Hersteller muss alles daran setzen, dass der Kunde wirksam die Abnahme der Maschine erklärt.

  • Denn damit ist der Liefervertrag erfüllt,
  • weitere Raten des Entgelts werden zur Zahlung fällig,
  • mit Abnahme beginnen die Sachmängelfristen und die Verjährung zu laufen, die Beweislast für Mängel, die nach Abnahme auftreten, liegt beim Kunden,
  • Abnahme bedeutet Gefahrübergang an der Maschine auf den Kunden. Er wird verantwortlich für Beschädigungen oder für den Verlust der Maschine.

Nimmt der Kunde eine mangelhafte Maschine ab, obwohl er die Mängel erkannt hat, Verliert er seine Mängelrechte, insbesondere sein Recht auf Nacherfüllung auf Kosten des Herstellers. Auftretende Mängel muss er nach erfolgter Abnahmeauf seine Kosten beseitigen lassen. Den Verlust seiner Mängelrechte kann der Kunde vermeiden, indem er sich bei Abnahme die Beanstandung bestimmter Mängel der Maschine ausdrücklich vorbehält.

Verweigerung der Abnahme

Die Abnahmeverweigerung durch den Kunden ist für den Hersteller ein ernsthaftes Problem. Die Anlage ist unter erheblichem Planungs-, Material- und Personaleinsatz fertig montiert, an den Kunden ausgeliefert und dort betriebsfertig gemacht. Der Kunde verweigert aber die Abnahme. Begründet wird dies oft damit, dass vertraglich eine komplizierte Abnahmeprozedur nicht erfolgreich in allen Punkten durchlaufen wurde, dass es nicht mit der Maschine gelang, vertraglich definierte Musterwerkstücke in der geforderten Güte und Zahl herzustellen oder dass die Maschine bestimmte vertraglich definierte Leistungsanforderungen noch nicht erfüllt.


Folglich verweigert der Kunde die Zahlung weiterer Entgeltraten, macht Zurückbehaltungsrechte geltend und droht mit Vertragsstrafen und Verzugsschäden (Produktionsausfall, entgangener Gewinn).

Wann ist der Kunde zur Abnahme verpflichtet?

Hier hilft allein das BGB nicht weiter. Das Gesetz definiert nicht, was ein „Mangel“ ist, der zur Abnahmeverweigerung berechtigt. § 640 BGB gibt nur eine negative Definition: „Der Besteller ist verpflichtet, das vertragsgemäß hergestellte Werk abzunehmen, sofern nicht nach der Beschaffenheit des Werks die Abnahme ausgeschlossen ist“. Der Bundesgerichtshof sagt: „Abnahme ist die Erklärung des Bestellers, dass er den Liefergegenstand als in der Hauptsache vertragsgemäße Leistung anerkennt".

Immerhin hat der BGH in einer aktuellen Entscheidung vom 19.1.2017 beim Auftreten von Mängeln beim Werkvertrag klargestellt, welche Rechte der Kunde nach BGB hat, solange er das Werk noch nicht abgenommen hat und welche Rechte ihm erst nach Abnahme des Werks zustehen:

  • Vor der Abnahmeerklärung stehen dem Kunden vor allem Ansprüche auf Erfüllung, Verzugsschaden, Zurückbehaltungsrechte im Worst Case Rücktritt zu.
  • Erst nach der Abnahme des Werks stehen dem Kunden Gewährleistungsansprüche auf Mangelbeseitigung und die damit verbundenen Minderungs- und Kündigungsrechte zu.

Den Leistungsumfang der Maschine im Liefervertrag genau definieren

Damit die Maschine reibungslos abgenommen wird, ist es wichtig, dass ihr genauer Liefer-und Leistungsumfang im Liefervertrag und den Anlagen hierzu exakt aus Sicht des Herstellers definiert werden. Er darf keine Leistungsanforderungen akzeptieren, die eine Abnahme der Maschine im entscheidenden Zeitpunkt infrage stellen.

Die werkvertragliche Abnahme ist im Anlagen- und Maschinenbau kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess, an dem der Hersteller und der Kunde zusammenwirken.

Der Hersteller muss schon im Liefervertrag dafür sorgen, dass die zu durchlaufenden Abnahmeprüfungen in seinem Sinne sauber definiert werden, dass der Ablauf und Inhalt von Leistungstests, die Anforderungen an Probewerkstücke, ihre Anzahl, Güte und die Protokollierung klar geregelt sind. Die Folgen des Nichtbestehens der Leistungstests ist vertraglich genau zu definieren, z.B. Anzahl der Wiederholungen, Dauer flexibler Nachfristen. Ein "Alles- oder Nichts- Szenario" ist zu vermeiden.

Der Hersteller sollte sich nicht darauf einlassen, dass die Abnahme seiner Maschine durch zu viele Schritte und Stufen hinausgezögert wird, und dass die Abnahme durch die Vereinbarung eine vorherige „Übernahme“ oder „Vorabnahme" noch unklarer wird. Denn all dies führt dazu, dass der Kunde die Verfügungsbefugnis über der Maschine erlangt,  aber dass für den Hersteller die wichtigen Wirkungen der förmlichen Abnahme nicht eintreten.

Abnahme und Beginn der Gewährleistungsfrist dürfen nicht auseinanderfallen

Deshalb darf sich der Hersteller auch nicht auf Vorschläge des Kunden einlassen, die rechtlich verbindliche Abnahme der Maschine und den Beginn der

Mängelgewährleistungsfristen zu trennen, also dass z.B. die Gewährleistungsfristen erst dann anlaufen soll, wenn die Maschine nach der Abnahme noch zusätzliche Leistungstests besteht oder eine bestimmte Maschinenlaufzeit störungsfrei einhält. Denn auch dies ermöglicht dem Kunden das Hinausschieben der Gewährleistungsfrist, obwohl er schon über die Maschine verfügen kann und diese im betrieblichen Ablauf einsetzt und abnutzt. Besonders nachteilig für den Hersteller sind solche Vereinbarungen deshalb, weil damit die Beweislast für das Vorliegen eines Mangels noch nicht auf den Kunden übergeht und Mängel weiterhin kostenlos zu beseitigen sind. Im Prozess muss weiterhin der Hersteller beweisen, dass eine Störung kein Mangel der Maschine ist. Dies erschwert die Abwehr von Nachforderungen und Claims erheblich.

 

Im Liefervertrag ist deshalb exakt zu definieren, in welcher Form und mit welchem Inhalt der Kunde die Abnahme nach dem Durchlaufen von Leistungstests zu erklären hat, damit der Hersteller die Abnahme notfalls gerichtlich einklagen kann. Das Bestehen von Leistungstests allein  bedeutet nicht die Abnahmeerklärung des Kunden.

Fiktive Abnahme der Maschine durch Inbetriebnahme und Dauerbetrieb

Die Meinung mancher Kunden, dass trotz Einsatz der Maschine im Dauerbetrieb keine Abnahme erfolgt ist, wenn der Kunde Mängel der Maschine beanstandet hat, wird von den Gerichten nicht geteilt.

Das OLG Koblenz hat für eine Biogasanlage entschieden, dass der Abnehmer der betriebsbereit hergestellt Anlage nicht mehr berechtigt ist, die Abnahme zu verweigern, wenn er die gelieferte Anlage in Betrieb nimmt und gewinnbringend nutzt (OLG Koblenz Urt. v. 19.2.2010 – 2 O 704/09).

Das OLG München hat für eine Software entschieden, dass sich der Kunde nicht mehr auf eine fehlende Abnahme berufen kann, wenn er die Software trotz vorhandener Mängel in seinem Betrieb produktiv einsetzt und die Nutzung der Software nach Kenntnis der Mängel fortsetzt (OLG München DB 1990 S. 1865).

Gesetzliche Abnahmefiktion

Seit der Novellierung des Werkvertragsrechts 2018 gilt eine Werkleistung dann als abgenommen, wenn der Hersteller dem Kunden nach der Fertigstellung des Werks eine angemessene Frist zur Abnahme gesetzt hat und wenn der Besteller die Abnahme nicht innerhalb dieser Frist unter Angabe mindestens eines Mangelpunkts verweigert hat (§ 640 Abs. 2 BGB). Es ist zu erwarten, dass die Abnehmer auf diese Gesetzesänderung reagieren und im Liefervertrag den Entfall der gesetzlichen Abnahmefiktion vorschlagen. Ob man den Entfall der gesetzlichen Abnahmefiktion durch AGB in Einkaufsbedingungen ausschließen kann, wird bezweifelt, weil dies einer richterlichen Inhaltskontrolle nicht standhält.